| Verfasst am: 22.06.2011, 12:05 | |
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Spiel mit dem Feuer
»Warme Möbel« aus Skandinavien werden immer populärer von Peter Marx In einer Zeit, in der den Menschen der direkte Bezug zur Natur und zu den Dingen abhanden gekommen ist, ist die Sehnsucht nach Unmittelbarkeit groß. Vielleicht erklärt dieses Verlangen auch das wachsende Interesse an Kaminöfen, das die Hersteller erfreut konstatieren. Auch wenn das Feuer hinter einer Glasscheibe lodert, sorgt es doch für eine unvergleichlich lebendige Wärme und vermittelt, selbst wenn es im modernsten Designkleid daherkommt, archaisch-faszinierende Gemütlichkeit. In Skandinavien gehören Kaminöfen bis heute zum selbstverständlichen Inventar der meisten Häuser und Hütten. Erst seit Ende der 70er Jahre werden sie auf dem deutschen Markt angeboten. Inzwischen hat sich auch das Design weiterentwickelt, und aus den Öfen sind wärmespendende Gestaltungselemente geworden - »warme Möbel«, wie die Skandinavier sagen. Kein Wunder, dass sie auch bei uns immer mehr Freunde finden.
Wer es skandinavischer Wohnkultur gleichtun und seinem Zuhause durch einen Ofen besondere Behaglichkeit verschaffen will, sollte sich zunächst einmal über die verschiedenen Ofentypen informieren. Dabei ist grundsätzlich zwischen den besagten Kaminöfen (mit - meist verglaster - Feuerraumtür) und Grundöfen (Speicher-/Kachelöfen) zu unter¬scheiden. Letztere haben eine sehr lange Vorheizzeit: Ein Speicherofen braucht etwa 4-6 Stunden, um einen 15 °C kühlen Raum auf Zimmertemperatur (21 °C) aufzuheizen, hält dann aber auch entsprechend lange die Wärme. Für die meisten Fälle wird aber heute ein Kaminofen die zeitgemäßere Lösung sein, der ergänzend zu einem vorhandenen Heizsystem eingesetzt wird. Besonders in der Übergangszeit, im Frühjahr und Herbst, wenn es sich aus wirtschaftlichen Gründen noch nicht lohnt, die Heizung anzustellen, kann man mit einem Kaminofen schnell und energiesparend für behagliche Wärme sorgen. Nur 15-30 Minuten braucht der Kaminofen »von 15 auf 21 °C«. Damit eignet er sich auch hervorragend für Haushalte von Berufstätigen, die tagsüber nicht zu Hause sind, morgens und abends aber schnell warme Temperaturen brauchen (»Feierabendheizung«). Bei Bedarf taugen moderne Kaminöfen aber auch für den Dauerbetrieb. Überdies versuchen viele Hersteller bei den heute angebotenen Kaminöfen, die Fähigkeit des schnellen Aufheizens mit möglichst großer Wärmespeicherfähigkeit zu kombinieren. Und auch als Offener Kamin läßt sich so ein Kaminofen nutzen - denn die Türe kann man natürlich auch geöffnet lassen. Gute Ökobilanz Nicht nur durch die Verkürzung der Einsatzzeit träger Primärheizsysteme sorgt der Kaminofen für eine positive Umweltbilanz. Auch das regenerative Brennmaterial Holz trägt dazu bei: Ein nachwachsender Baum bindet bekanntlich ebensoviel CO2, wie das Holz nachher beim Verrotten oder Verbrennen wieder freisetzt - Holz ist also CO2 neutral (kein Treibhauseffekt). Und: in den besten Öfen verbrennt das Holz nahezu rückstandsfrei. Aus 1 m3 Scheitholz ergeben sich beim richtigen Verbrennen 2,2 kg Asche. Spitzenreiter dürften in dieser Hinsicht die traditionellen gusseisernen Öfen des norwegischen Herstellers Jøtul sein, bei denen das Feuer nicht zu sehen ist. Diese auf optimale Funktionalität angelegte Konstruktion gewährleistet eine fast rückstandsfreie Verbrennung. Anders ausgedrückt: Man muss die Asche nur alle paar Wochen entfernen! Voraussetzung ist natürlich die Wahl des richtigen Brennstoffes: Trockenes, etwa 2 Jahre abgelagertes Holz sollte es sein - aber das ist für Ofenbesitzer sowieso Ehrensache. Ein Plus für die Umwelt sind übrigens auch die hohen Verbrennungstemperaturen in den geschlossenen Öfen: Sie sorgen für schadstoffarme Verbrennung.
In diesem Zusammenhang sei noch einmal der wichtige Unterschied der Öfen zum offenen Kamin hervorgehoben: Während beim offenen Kaminfeuer nur etwa 5-10 % Wärmenutzung erreicht werden, sind es bei den geschlossenen Öfen 70-90 %! Marmor, Stein und Eisen Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Material des Ofens. Jøtul setzt hier traditionell auf Gußeisen, das aus Eisenschrott recycelt wird - und das bereits seit dem Jahr 1852. Die klassischen, sehr preiswerten Modelle »Kristiansand« (der übrigens prinzipiel für unter 1000,- Mark verkauft wird!) und »Fredrikstad« sind ein Muß für jeden norwegischen Hüttenbesitzer. Auch die Kamine von Jøtul haben übrigens einen gußeisernen Kern (mit Fensterglasfront), der dann auf höchst unterschiedliche Weise ummantelt wird - von klassisch-gediegen mit Marmor bis zu fetzig-modern mit Keramik oder Stahl bleibt kein Designwunsch unerfüllt. Die Finnen dagegen setzen ganz auf Speckstein. Sowohl die Öfen der Firma NunnaUuni, Ofenbauer in dritter Generation aus Nordkarelien, als auch die der Kollegen von Tulikivi, bestehen zu ca. 99 % aus dem bis zu 2 Milliarden Jahre alten Speckstein. Dessen Eigenschaften sind in der Tat beeindruckend: Speckstein speichert die Wärme 2,5 mal länger als herkömmlicher Ofenschamotte, seine Wärmeleitfähigkeit ist sogar 8-10 mal besser. Die meisten finnischen Öfen haben übrigens ein Backfach, so daß die gemütliche Stimmung durch leckere Düfte noch gesteigert werden kann... Die dänische Firma Skan Therm schließlich schwört auf Spezialstahle. Die doppelwandige Ofenwand wird innen mit auswechselbaren Schamottsteinen und außen mit hochwertigen Keramikkacheln verkleidet.
Wärmearten An dieser Stelle ein Wort zu den beiden unterschiedlichen Wärmearten der Kaminöfen, da sie mit der Konstruktion und Materialwahl zusammenhängen. Zu unterscheiden ist zwischen Strahlungs- und Konvektionswärme. Konvektionswärme sorgt für Luftbewegung: Kalte Luft tritt durch Öffnungen in den Ofen ein, wird in Zwischenwänden erwärmt und tritt durch Öffnungen im Konvektionsschacht wieder in den Raum aus. Die Luftbewegung sorgt für eine rasche Erwärmung des Raums, kann aber durch die Zirkulation auch Staub aufwirbeln. Besonders behaglich ist die direkte Strahlungswärme, wie sie etwa das Feuer selbst abgibt. Auch von dem erwärmten Speckstein oder von den einwändigen Gußeisenöfen geht diese »sonnengleiche« Wärme aus.
Wer sich also für die »warmen Möbel« aus Skandinavien interessiert, kann zwischen recht unterschiedlichen »Philosophien« der Hersteller wählen, die sich keineswegs nur im äußeren Gewand niederschlagen. Es lohnt sich, sich Informationsmaterial verschiedener Hersteller zuschicken zu lassen, um die optimale Variante für die eigene »Hütte« herauszufinden. |
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