| Verfasst am: 29.06.2011, 12:35 | |
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Östergötland: Kornkammer, Klöster, Kommunikation
Von Mats Lindgren Von Stockholm aus fahren Sie in Richtung Süden, an Nyköping vorbei - und kurz darauf sind Sie schon in Östergötland. Wenn Sie Norrköping erreicht haben, haben Sie gut 160 km auf dem Tacho. In der Region leben knapp 430.000 Menschen.
Man kann die Reise nach Östergötland als Zeitreise beginnen. Im Mittelalter war es eine der wichtigsten Regionen Schwedens, ja Skandinaviens; die Stadt Vadstena legt bis heute mit vielen historischen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten davon Zeugnis ab. Das Rathaus z.B. stammt aus dem 15. Jahrhundert, es ist das älteste Schwedens. Unglaubliche 50.000 bekannte Altertümer gibt es in der Region, die Spuren menschlicher Besiedlung reichen bis zu 9.000 Jahre in die Vergangenheit. Da verwundert es nicht, dass Vadstena mit seinen alten Schlössern und Klöstern jedes Jahr von ca. 500.000 Touristen besucht wird. Südlich von Vadstena liegt der Omberg, ein Naturreservat, an dessen Flanke die Ruine des ältesten schwedischen Klosters Alvastra liegt. Nicht weit davon findet man Schwedens berühmtesten Runenstein, den Rök-Stein. Vadstena ist auch heute noch ein spirituelles Zentrum Schwedens. Östergötland war immer ein wichtiges Agrargebiet Schwedens, und die Landwirtschaft spielt bis heute eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der Provinz. Östergötland ist der drittgrößte Getreideproduzent Schwedens und liegt bei fast allen Feldfrüchten an zweiter oder dritter Stelle des Landes. Es ist daher sicher kein Zufall, dass Landmaschinen zu den Exportschlagern der Region gehören: 1962 wurde in Väderstad das Unternehmen Väderstad-Verken gegründet, heute einer der führenden Landmaschinenhersteller Europas. Das Unternehmen hat einen Jahresumsatz von etwa 158 Millionen Euro (2009), rund 800 Mitarbeiter und Tochtergesellschaften in Deutschland und 10 weiteren Ländern.
Zu Industriezentren haben sich vor allem die Städte Linköping, Norrköping und Motala entwickelt. Linköping - Industrie- und Universitätsstadt mit Charme Linköping ist mit knapp 100.000 Einwohnern die siebtgrößte Stadt Schwedens. Wirtschaft und Wissenschaft arbeiten hier eng miteinander. Ein bedeutender Arbeitgeber in Linköping sind die Saab-Flugzeugwerke mit etwa 4.900 Angestellten. Saab unterhält bei Linköping auch zwei Flughäfen, einen zivilen im Osten und einen militärischen im Westen der Stadt. Bei diesem befindet sich ein Luftwaffenmuseum. Das Lebensmittelunternehmen Cloetta, das vor allem Schokolade und Süßigkeiten herstellt, hat seinen Hauptsitz und die Hauptproduktion in Ljungsbro bei Linköping. Der "Mjärdevi Science Park" in Linköping ist ein Technologie-Zentrum, in dem rund 4.000 Angestellte für 260 verschiedene Unternehmen arbeiten. Die Profilgebiete des Zentrums sind Mobiles Breitband, Sicherheit in der Autobranche sowie digitale Bildbearbeitung und Kommunikation. Die Universität Linköping gehört zu den bedeutendsten in Schweden und besteht aus den vier Fakultäten Technische Hochschule Linköping, Philosophische Fakultät, Medizin und Pädagogik. 1996 nahm ein Universitätszweig den Lehrbetrieb in der benachbarten Stadt Norrköping auf. Etwa 25.000 Studenten sind an der Universität Linköping eingeschrieben, davon sind etwa 2.000 Ausländer. Bio gibt Gas Landwirtschaft und Technik begegnen sich in Linköping auch in der Energieproduktion: Bereits Anfang der neunziger Jahre hat man hier mit der Entwicklung von Biogasproduktion angefangen, in Zusammenarbeit zwischen der Stadt Linköping, der Wirtschaft und dem Bauernverband. 1996 wurde eine große Biogasproduktionsanlage in Betrieb genommen, seit dem fahren um die 70 Busse der Stadt mit Biogas. Seit Oktober 2005 gibt es hier sogar den weltweit ersten Zug mit Biogasantrieb. 2006 wurde Swedish Biogas International gegründet, ein privates Unternehmen für die Herstellung von Biogas. Das Unternehmen produzierte 2009 etwa 9 Millionen Kubikmeter Fahrzeugsgas. Das repräsentiert etwa 7% des gesamten Treibstoffverbrauchs der Stadt. Norrköping In Norrköping, 40 km Nordöstlich von Linköping, war die Textilindustrie lange Zeit der dominierende Wirtschaftszweig, der zur Blüte der Stadt führte. Doch es ging wie in allen Textilregionen Nord- und Westeuropas: in den 1960er Jahren schlossen die meisten Fabriken aufgrund der starken ausländischen Konkurrenz. Heute existiert nur noch eine einzige Textilfabrik in Norrköping. Doch der Strukturwandel ist gelungen: Gegenwärtig gibt es die meisten Unternehmen in den Branchen Papier- und Verpackungsindustrie, Logistik/Transport, Elektronik, IT/Media sowie Handel. Mehrere große Unternehmen, z. B. Whirpool, Bosch oder Goodyear Tire & Rubber Company haben ihre Zentrallager in Norrköping und steuern von hier aus die Belieferung ihrer Standorte in Schweden. Svenska Returpack ist für das gesamte Pfandsystem von Aluminiumdosen und PET-Flaschen in Schweden verantwortlich und ist europaweit die größte Fabrik dieser Art für eingesammelte Pfanddosen und Flaschen. Auch viele staatliche Einrichtungen haben in Norrköping ihren Hauptsitz: Die Ausländer- und Integrationsbehörde, das Zentralamt für Luftfahrt, das Seefahrtsamt und das Schwedische Meteorologische Institut, SMHI. Und einen echten Superlativ hat Norrköping auch zu bieten: der Tierpark Kolmården ist mit 250 Hektar und über 500.000 Besuchern pro Jahr der größte Zoo Nordeuropas. Tourismus: Ehrgeizige Ziele Als im frühen 19. Jahrhundert der Göta-Kanal gebaut wurde, entwickelte sich Motala zu einem bedeutenden Handelsplatz am Kanal, noch heute wird Motala als „Hauptstadt des Göta Kanals“ bezeichnet. Der Kanal, der einmal quer durch Östergötland verläuft, ist Schwedens größtes kulturhistorisches Bauwerk. Er wurde als Transportweg erbaut, ist dann aber zu einer internationalen Touristenattraktion geworden. Der Kanal erstreckt sich von Motala am Vättersee vorbei an den Kommunen Linköping, Norrköping und Söderköping bis nach Mem an der Ostsee. Im vergangenen Jahr wurde der Göta Kanal als ”Bestes Erlebnis Schwedens“ ausgezeichnet und von Visit Sweden und RTS (Reise- und Tourismuswirtschaft in Schweden) mit dem „TRIP Global Award“ ausgezeichnet. Die Jury bestand aus Reiseveranstaltern und Tourismusunternehmen aus den acht wichtigsten Auslandsmärkten Schwedens, darunter auch Deutschland.
Im Juli 2010 wurde eine neue nationale Strategie für den Tourismus mit dem Ziel der Verdoppelung der Umsätze des schwedischen Tourismus auf 500 Milliarden im Jahr 2020 präsentiert. Nun wird auch in Östergötland intensiv daran gearbeitet, dieses Ziel zu erreichen, und Schweden als modernes Reiseland immer besser zu machen. Susanne H. Fredriksson vom Östsvenska Turistrådet berichtet, dass aktuell viele Projekte im Aufbau sind, um in der Region eine nachhaltige Tourismuswirtschaft aufzubauen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Image, und so erarbeitet man zunächst ein neues, modernes Regionenprofil nach außen und schärft zugleich gegenüber Politik, Wirtschaft und Bevölkerung das Profil der Tourismusbranche nach innen – als ernstzunehmender Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor. Bereits in diesem Sommer soll das Profil nach außen sichtbar werden, kündigt Susanne H. Fredriksson an. Im Osten dürfte es also auch in Zukunft viel Neues geben. Skandinavienmesse-Tipp: Gamla Linköping
Das „Kulturreservat“ Gamla Linköping ist ein historischer Glücksfall und ein Unikum, das in Schweden seinesgleichen sucht. Alles begann während einer Stadtsanierungsphase in den 1940er Jahren, als man in Linköping, wie in den meisten schwedischen Städten, rücksichtslos alte Gebäude abriss. In Linköping aber gab es einen Menschen, der dieser rigorosen Entwicklung skeptisch gegenüberstand, der alte Holzhäuser mochte, und der eine gute Idee hatte. Es war der Stadtrat und spätere Vorsitzende des Bauamtes Lennart Sjöberg, der 1944 die "Einrichtung eines Freizeitgeländes ähnlich Skansen (Stockholm) auf einem Teil des Valla-Grundstückes" beantragte. Der Vorschlag wurde im Rat angenommen, und einige Jahre darauf begann der Umzug der ausgesuchten Häuser zum Freizeitgelände in Valla. Der Begriff Gamla Linköping (Alt-Linköping) wurde 1953 offiziell anerkannt, als ein Plan für das Gebiet festgestellt wurde. In den 50er und 60er Jahren wurden viele alte Höfe des Stadtkerns ab- und auf dem neuen Gelände wieder aufgebaut - es entstand eine neue alte Stadt aus altem Holz. Nicht ein museales Skansen und auch kein Freizeitgelände, wie ursprünglich geplant, sondern ein lebendiger Stadtteil mit Wohnungen, Geschäften, Werkstätten und aktivem Vereinsleben. Nützliche Links www.ostergotland.info www.ostsam.se www.gotakanal.se www.mjardevi.se |
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