| Verfasst am: 12.09.2011, 12:44 | |
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”Die eigenen Informationen kontrollieren”
Oscar Swartz arbeitet seitet 1992 als freier Publizist und IT-Unternehmer. 1994 startete er Schwedens ersten Internetprovider, Bahnhof Internet und gründete 1995 den Verlag QX Förlag AB. In Schweden ist er besonders in der Debatte um Lizenzschutz und Freiheit im Internet bekannt geworden. 1. Seit einiger Zeit wohnen Sie zur Hälfte in Berlin. Was macht die deutsche Hauptstadt für Sie so attraktiv? Ich finde, Bürgermeister Klaus ”Wowi” Wowereit hatte recht, als er Berlin ”arm aber sexy” nannte. Es ist die freieste, toleranteste und anspruchsloseste Stadt Europas, mit einem Miet- und Preisniveau, das eine große alternative Szene anzieht: Junge Suchende aus unzähligen Ländern und Multikulti ohne große Segregation. Und zugleich gibt es Hochkultur für den, der will. Der Grund ist natürlich die einzigartige Geschichte der Stadt. Das Tempo ist nicht hysterisch, eher kontemplativ. 2. Sie haben sich lange für freie Kommunikation im Internet eingesetzt. Was ist darunter eigentlich zu verstehen? Soll wirklich alles frei und gratis für alle sein? Sollen also Künstler für ihre Werke nicht bezahlt werden?
Freie Kommunikation beinhaltet, dass man Informationen senden und empfangen kann, ohne dass vom Staat überwacht zu werden oder in Razzien zu geraten, weil man eine unbequeme politische Frage diskutiert oder einem Freund einen Song sendet. Wir sind jetzt alle in dieser fantastischen Informationsaustausch-Maschine verbunden, die die Welt revolutionieren kann. Schau dir den arabischen Frühling an! Begriffe wie „Exemplar“ verlieren aber doch ihre Bedeutung. Eine Datei, die kostenlos vervielfältigt und verteilt werden kann, kann nicht mehr von großem Einzelwert sein, solange wir keine widerliche Großer-Bruder-Gesellschaft einführen wollen, die die ganze Bevölkerung jagt und bestraft. Das muss einfach akzeptiert werden. Die Künstler sind im Laufe der Geschichte auf viele unterschiedliche Weisen zu ihrer Bezahlung gekommen. Bezahlung pro Exemplar ist in der digitalen Gesellschaft eine Sackgasse. 3. Welche großen Unterschiede sehen Sie zwischen Schweden und Deutschland im Umgang mit Internet und freier Kommunikation? In Deutschland hat man ein besser prinzipielles Verständnis für solche Fragen. Ich glaube, weil man noch frische Erinnerungen an staatliche Zwangsgewalt, Geheimpolizei, Überwachung, Spionage und Denunziation hat, sowohl aus der nationalsozialistischen Periode wie aus der Stasizeit in der DDR. In Deutschland hat man auch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, das nicht zulässt, dass die Politiker die grundrechtlichen Freiheiten vergessen. In Schweden haben wir aber eine aktivere Gegenbewegung. Zum Beispiel die schwedische Piratenpartei, das Piratenbüro, Pirate Bay, die FRA-Protestbewegung gegen schärfere Abhörgesetze und aktive Blogger. In Deutschland gibt es den Chaos Computer Club, der der schwedischen Piratenbewegung ähnelt. Der ist aber eine kleine und spezialisierte Organisation, ich nehme jedes Jahr an seinem Kongress in Berlin teil. Vielleicht wird die Piratenpartei bei den Kommunalwahlen in den Berliner Senat gewählt. 4. Was sollte anders gemacht werden? Welche Veränderungen würden Sie in den kommenden Jahren gern sehen? Ich denke, wir sehen eine Reaktion gegen die großen Internetunternehmen, die so viele Informationen über uns alle besitzen. Es gibt kollaborative Projekte, um Plattformen zu entwickeln, bei denen man seine eigenen Informationen kontrollieren kann. Die Idee ist, dass man seine Bilder und Texte auf seinem eigenem Computer oder Server aufbewahrt, statt alles zu Facebook, Twitter oder Google zu laden. Dann verbinden sich alle und das Resultat ist etwas wie Facebook, aber ohne eine zentrale Spinne im Netz. Wir können ja alle im Fall Julian Assange sehen, wie die Behörden von den großen Internetunternehmen Informationen fordern, die alles über uns wissen. Bisher werden diese Fragen am intensivsten in „netznahen“ Kreisen diskutiert. 5. Soziale Medien sind das große Thema unserer Tage. Wie nutzen Sie die? Zwischen 2005-2010 war ich ein fast manischer Blogger. Insbesondere 2008, als ich Preise als „Aktivist des Jahres“ und „Staatsbürgerjournalist des Jahres“ bekam und für den „Großen Bloggerpreis“ usw. nominiert wurde. Ich schrieb ein paar Berichte über Kommunikationsfreiheit und Regelungen des Internet. Ich bin auch froh, diese Fragen angestoßen zu haben, aber arbeite gegenwärtig mit anderen Projekten, so dass ich nicht so aktiv im Blog und auf Twitter sein kann. Aber ich werde zurück kommen! |
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