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Interview mit dem schwedischen Finanzminister Anders Borg

Verfasst am: 26.10.2011, 14:36
Anders Erik Borg (* 11. Januar 1968 in Stockholm) ist ein Wirtschaftswissenschaftler und als Politiker der Moderata samlingspartiet seit dem 6. Oktober 2006 schwedischer Finanzminister. Zwischen 2002 und 2006 war Borg Chefökonom und Bürochef der Moderaterna und wird seitdem als einer der Architekten hinter der Politik unter Fredrik Reinfeldt gesehen.

In der aktuellen Ausgabe der "Schweden aktuell", dem Magazin der Schwedischen Handelskammer in Deutschland, äußert sich Anders Borg zur aktuellen Eurokrise (Okt. 2011).

„Es lohnt, sich von uns inspirieren zu lassen“

1. Die schwedische Wirtschaft hat die heutige Schuldenkrise besser bewältigt als die meisten europäischen Länder. Welche Bedeutung hat die eigene Währung für diesen Erfolg?

Entscheidend war, dass wir unsere Staatsfinanzen in Ordnung gebracht und zudem vermieden haben, eine nicht mehr zu bewältigende Staatsverschuldung aufzubauen. Während sich die Staatsschulden in den südeuropäischen Ländern erhöht haben, konnten wir in Schweden unsere Staatsschulden abbezahlen. Es ist in erster Linie das, was Schweden stark gemacht hat, nicht unsere Währung. In Finnland ist die wirtschaftliche Entwicklung der schwedischen sehr ähnlich. Es ist für Schweden jedenfalls kein Nachteil gewesen, außerhalb des Euros zu stehen.


2. Wie sollte Ihrer Meinung nach die Krise in Griechenland gelöst werden?

Die Situation in Griechenland ist sehr ernst. Neben Griechenland, das die Hauptverantwortung trägt, spielen auch die anderen EU-Länder, der IWF, die EZB und der Finanzmarkt eine große Rolle, wenn es darum geht, die griechische Krise zu lösen. Die griechische Regierung muss sehr schwierige Entscheidungen treffen; sie muss Steuern erhöhen, staatliche Unternehmen verkaufen und Leistungen der Staatsangestellten kürzen. Die griechische Bevölkerung muss zukünftig höhere Steuern zahlen und sich gleichzeitig darauf einstellen, weniger Leistungen zurückzuerhalten.

3. Wie sollte Deutschland, als größte Volkwirtschaft Europas, in der jetzt entstandenen Situation handeln?

Deutschland spielt eine wichtige Rolle für die EU und den Euro. Als größte und leistungsstärkste Volkswirtschaft Europas hat Deutschland eine große Verantwortung auf sich genommen und wird auch weiterhin der vielleicht wichtigste Akteur der europäischen Krisenbewältigung sein.

4. Was können die von der Krise betroffenen Länder in der Eurozone von den schwedischen Erfahrungen mit der Krise in den frühen 90er-Jahren lernen?

Ich bin überzeugt: Es lohnt, sich von unserem Haushaltsrahmenwerk inspirieren zu lassen. Die Überschussziele und die Haushaltsdisziplin in Folge der 90er-Krise haben Schweden gut getan. Wir haben auch gelernt, dass es die Kunden und nicht die Aktionäre der Banken sind, die gerettet werden müssen, wenn der Staat eine Bank übernimmt – und dass die Interessen der Steuerzahler immer zu schützen sind.

5. Was muss von politischer Seite geschehen, um zu verhindern, dass sich die aktuelle Krise wiederholt?

Leider glaube ich nicht daran, dass wir zukünftige Krisen verhindern können. Wir leben in einer brutalen Welt und es werden neue Krisen entstehen. Aber wir können Puffer schaffen, die die Auswirkungen zukünftiger Krisen abschwächen: Beispielsweise mehr Kontrolle und höhere Kapitaldeckungsauflagen für Banken sowie strengere Regeln für die wirtschaftspolitische Koordinierung in der EU. Außerdem muss es darum gehen, eine verantwortungsvolle Politik gesunder Staatsfinanzen zu betreiben, mit geringen Staatsschulden und einem gut funktionierenden Arbeitsmarkt.

Das Interview wurde auf Schwedisch geführt und übersetzt.


Informationen zur Schwedischen Handelskammer: www.schwedenkammer.de

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