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Die transnationale Metropolregion Öresund

Verfasst am: 07.09.2011, 10:53
Die transnationale Metropolregion Öresund

von Mats Lindgren

Sie ist der beeindruckendste Beweis, dass Ländergrenzen auch in den Köpfen der Menschen sehr, sehr unbedeutend werden können. Schon immer waren die Kontakte zwischen den Städten und Landstrichen auf beiden Seiten des Öresunds eng. Doch seit im Jahr 2000 die Öresundbrücke eine direkte Straßen- und Bahnverbindung zwischen Malmö und Kopenhagen geschaffen hat, ist die Öresundregion zu einer einzigartigen Erfolgsgeschichte transnationaler Zusammenarbeit und zu einer echten Metropolregion geworden. Neben der Brücke verbindet im Norden auch die hochfrequente Fährverbindung zwischen Helsingborg und Helsingör beide Länder, und so pendeln heute 20.000 Menschen über den Öresund, um auf der jeweils anderen Seite zu arbeiten oder zu studieren.

Die Öresundregion besteht aus Schonen auf schwedischer sowie Seeland, Lolland-Falster, Mön und Bornholm auf der dänischen Seite. Hier wohnen 3,7 Millionen Menschen, ein Drittel davon in Schweden. Noch sind es in der Mehrzahl Schweden, die nach Dänemark pendeln, aber für die kommenden Jahre wird mit einem Ausgleich gerechnet. Außer zur Arbeit wechseln die Schweden auch gern mal zum Shoppen oder für das Kopenhagener Nachtleben die Seite oder nutzen den Kopenhagener Flughafen.

Die Region verfügt über die größte Konzentration hochqualifizierter Menschen im Norden und ist eine der dynamischten Wirtschaftsregionen Europas. Mehr als ein Viertel des Bruttosozialproduktes Schwedens und Dänemarks wird hier erwirtschaftet.

Ein Komitee für Problemlösung und Strategie


Natürlich gibt es hin und wieder Abstimmungsbedarf und auch Probleme, wenn eine Region zwei nationale Systeme umfasst, deren Regeln und Rechtssprechung nicht immer übereinstimmen. Dass es zwei verschiedene Währungen gibt, sorgt für zuätzliche Komplikationen. Hier kommt dem Öresundkomitee als politischer Plattform der Zusammenarbeit eine große Bedeutung zu. Seit 1993 arbeitet dieser freiwillige Städte-zusammenschluss daran, die Grenzbehinderungen, die das Zusammensein der Menschen in der Region verkomplizieren, zu reduzieren und regionale Anliegen gegenüber der Regierung und der EU zu vertreten. Im Komitee haben sich die zwölf größten Kommunen zusammen¬geschlossen. Auch die strategische Entwicklung wird in diesem Gremiun verhandelt; so hat es eine ambitionierte Strategie entwicklet, die die Öresundsregionbis bis 2020 zur ”attraktivsten Region Europas für Bürger, Wirtschaft und Besucher” machen und dabei die gegenseitige Integration und die grenzüberschreitende Dynamik nutzen soll.

Die schwedische Seite der Region - Schonen

Der schwedische Teil der Region besteht zur Hälfte aus landwirtschaftlicher Nutzfläche, und auf mancherweile Weise lebt der Mythos weiter, Schonen sei eine bäuerliche Region und die Bevölkerung lebe im Wesnetlichen vom Anbau von Getreide, Zuckerrüben und Kartoffeln auf dem fruchtbaren Ackerboden Schonens. In Wirklichkeit lebt man hier längst von ganz anderen Pflanzen: Ungefähr 100.000 Unternehmen gibt es, davon 700 mit mehr als 50 Angestellten. Viele von ihnen, zum Beispiel in der Zulieferindustrie, im Transport- und Dienstleistungssektor, exportieren nach Europa und in die ganze Welt. Etliche Weltkonzerne wie Tetra Pak, Absolut, Sony Ericsson, Findus und Brio haben ihre Wurzeln in Schonen.

Vom Schiffsbau zur Biotechnologie

Bis zur jüngsten Jahrhundertwende gab es in Malmö und Landskrona eine Werftenindustrie von internationaler Bedeutung. Die Werft Kockums in Malmö, seit 2005 im Besitz von ThyssenKrupp Marine Systems, verfügt auch heute noch über Spezialkompetenzen im Schiffs- und U-Bootbau. Der ”Kockumskran”, ein bekanntes Symbol für die Industriestadt Malmö, wurde nach der Stillegung der Schiffsproduktion in Malmö an eine Autofabrik in Südkorea verkauft; produziert wird seitdem nur noch in Karlskrona. In die leerstehenden Werkshallen in verschiedenen Stadtteilen Malmös zogen Teile der Univeristät, Forschungs¬unternehmen oder Firmen aus den branchen Bio- und Medizin- und Unmwelttechnik und IT.

Eine besondere Stärke der Region ist das Thema Life Science. 60 % der skandinavischen Arzneimittelforschung und dazugehöriger Zulieferindustrie befindet sich in der Öresundregion, ein beträchtlicher Teil davon in Schonen. Die Plattform Medicon Valley Academy ermöglicht und unterstützt die Zusammenarbeit der Unternehmen mit Universitäten, Hochschulen und Universitätskliniken. Schon seit 1997 arbeiten die Wirtschaftsförderungen beidseits des Öresunds eng zusammen, um Liefe Science-Firmen optimale Bedingungen zu bieten.

In Trelleborg und Ystad spielt der Fähr- und Frachtverkehr nach Deutschland (TT-Line und Scandlines) und Polen (Polferries und Pol-Line/Unity Line) traditionell eine gewichtige Rolle. Der Hafen von Trellebrog ist nach Göteborg der zweitgrößte Schwedens. Auch Helsingborg ist ein Knotenpunkt des Schiffsverkehrs. Neben der Linie nach Helsingör (Scandlines und HH) gibt es regelmäßige Verbindungen nach Kopenhagen und Oslo (DFDS Seaways). Bezüglich des Frachtvolumens zählt auch Helsingborg zu den größten schwedischen Häfen; mehrere Reedereien haben hier ihren Sitz. Schonen ist auch zu Lande ein natürliches Logistik¬zentrum mit einem dichten Schienen- und Straßennetz. Die Autobahnen E4, E6 und E22 führen von hier aus nach Norden. Internationale Speditionsunternehmen wie DHL und Schenker haben sich deswegen hier niedergelassen, genauso wie viele lokale Spediteure. Und das Vertriebsterminal von Toyota findet sich ebenso im Hafen von Malmö.

Reiseziel dank Komissar Wallander

Ystad, Kristianstad und Hässleholm waren früher Regimentsstädte. Im alten Kasernenbereich von Ystad residieren heute die Ystad Studios, die den größten Filmstudions des Nordens gehören. Hier wurden unter anderem Teile der Wallander-Krimis gedreht. Ystad ist durch Henning Mankells populären Komissar zu einem populären Reiseziel für schwedische und deutsche Krimifans geworden.

In Schonen gibt es mehrere Forschungszentren und Innovationsparks. Die bekanntesten sind Medeon in Malmö, Campus Helsingborg und Krinova i Kristianstad. In unmittelbarer Nähe von Lund mit seiner Universität, Technischen Hochschule und Wirtschaftshochschule liegt der Ideon Science Park. In mehreren Quartieren beschäftigen hier 260 Unternehmen über 2000 Angestellte. Ein Viertel davon arbeitet im Bereich IKT, ein weiteres Fünftel beschäftigt sich mit Life Sciences.

Schon seit der Gründung der Katedralskolan, der ersten Schule Skandinaviens 1085 ist Lund eine Stadt der Lehre. Die Universität Lund wurde 1666 gegründet und ist die größte Forschungs- und Bildunsgeinrichting Skandinaviens. Jeder dritte Einwohner der Stadt ist Student, und etwa 60 % der Einwohner arbeiten an Uni, Technischer Hochschule oder dem Universitätsklinikum. Am Rande der Stadt werden 2012 die Bauarbeiten für das europäische Materialforschungszentrum European Spallation Source (ESS) beginnen. Es soll 2019 seine Arbeit aufnehmen und 2015 vollendet sein. An dem Projekt sind 17 Länder beteiligt, die Gesamtkosten belaufen sich auf 1,5 Milliarden Euro.


In Zukunft wird die Region durch den beschlossenen Bau der Fehmarnbeltverbindung auch noch enger an Deutschland heranrücken. Die Südschwedische Handelskammer bietet ihren Mitgliedern darum besonderen Service für den deutschen Markt und hat mit der PR-Agentur Ehrenberg Kommunikation ein offizielles Repräsentationsbüro in Deutschland benannt. Schonen und die Öresundregion dürften also auch in den nächsten Jahren grenzenlos erfolgreich bleiben.

Links:
www.oresundsregionen.se
www.oresundskomiteen.org

Südschwedische Handelskammer: www.handelskammaren.com

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